Sehr geehrter Herr Gabriel,
zunächst einmal möchte der Autor hier Sie ganz ernsthaft als neues Mitglied der weltweiten Twitter Gemeinde willkommen heißen, und seine Wertschätzung dafür zum Ausdruck bringen, daß Sie es offenbar vorziehen selber zu schreiben, statt ein Schreibbüro dafür zu engagieren.
Der Grund warum der Autor hier ausgerechnet Ihnen einen offenen Brief schreibt, ist allerdings nicht ihr wie gesagt begrüßenswertes Engagement auf Twitter, sondern ist im Zusammenhang mit der (inzwischen berühmten) Rede Helmut Schmidts bei Ihrem Parteitag im Dezember zu sehen.
Der Autor pflegt große Wertschätzung für Ihren Altkanzler zu haben aus 3 historischen Gründen und eben wegen einer, aus vielleicht noch historisch zu werdenden, Weitsicht. Die drei historischen Gründe sind ganz klar:
1.) Sein Einsatz bei der Flutkatastrophe 1962 in Hamburg, wo er sich vor allem dadurch auszeichnete, daß er sich über Regeln hinweg setzte, und sich zunächst einmal um die Rettung von Menschenleben kümmerte. Die geniale Idee dabei auf "Kontakte" zur NATO Rückgriff zu nehmen ist dabei nur ein genialer und wesentlicher Teil seines Verdienstes.
2.) Die Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlußes entgegen dem damals vorherrschenden Zeitgeistes und des Populismus z.T. basierend auf Steuerung aus dem "Osten". Angesichts protestestierender Menschenmassen dennoch das letztlich historisch gesehen richtige getan zu haben, ist ebenfalls sehr lobenswert.
3.) Seine klare, und harte Haltung gegenüber dem damals auf seiner Spitze beruhenden Linksextremismus bzw. genauer RAF Mörder, wo ebenfalls harte und menschlich höchst belastende Entscheidungen zu treffen waren. Er auch da bewiesen, daß er im Sinne einer größeren Sache, auch entgegen kurzfristig vorteilhaft erscheinender Umstände Härte und Weitsicht gezeigt zu haben, die ihn auch sicherlich so manchen politischen Anhang aus seinem "Lager" gekostet hat.
Das waren die Punkte aus der Vergangenheit und seine strategische Sicht auf Europa, aus Europa heraus, auf die Zukunft unseres Kontinents, geäußert in seiner Rede im Dezember letzten Jahres, wird zwar nicht in allen Punkte vom Autor hier geteilt, war allerdings in vielen Punkten so überzeugend, daß es nicht nur dem Autor hier wichtig erschien diese einem internationalen Publikum ungekürzt und in voller Länge in einer Übersetzung zu erschließen. Offenbar teilten viele internationale Leser diese Wertschätzung der historischen Rückblicke wie auch der Analyse und Aussichten des Kontinents für die Zukunft.
Dies nur zur Verdeutlichung, daß es nicht darauf ankommt, Ihnen oder sonst irgendeinen maßgeblichen europ. Politiker "einen auf Deckel zu geben" , sondern wenn auf den Meinungseiten dieses Blogs Unbehagen, Kritik zum Ausdruck kommt, dann sollte es immer so verstanden werden, daß man zu Gunsten der "großen Sache", des Pragmatismus, der Sache wegen auf bestimmte kontraproduktive Dinge verzichtet. Es mag sein, daß viele zu kritisierende Dinge einfach aus einem Lapsus heraus passieren oder eben weil man es mittlerweile gewohnt ist auf kurzfristige Erfolge oder taktische Vorteile zu setzen, mit denen man sich Vorteile gegenüber dem politischen Gegner erringen kann. Dabei sollte man allerdings wie es Herr Schmidt m.E. tat niemals die langfristigen Aspekte seines Wirkens als Politiker, als demokratisches legitimiertes Steuerungsorgan unserer Gesellschaften aus dem Auge verlieren.
Dies nur mal vorab, damit bei Ihnen oder Ihren Parteikollegen nicht der Eindruck entsteht der Autor hier wollte Ihnen was böses, sondern vielmehr ist es das Anliegen Europa was zu wollen bzw. den Kontinent nicht sehendes Auges ins Unglück stürzen zu lassen. Und dafür tragen nach der Analyse des Autors politische Entscheidungsträger egal welcher Ausprägung, ob konservativ, liberal, sozialdemokratisch oder sozialistisch, allesamt Verantwortung. Es gibt da manche Dinge die transnational ausgefochten werden und die kontraproduktiv sind, und es gibt nationale "Kebbeleien" die ebenfalls an der Sache vollkommen vorbei gehen, nur aus kurzfristigen Eigeninteressen heraus geäußert werden, und in der Verkennung wahrer Probleme auch wiederum kontraproduktiv im Sinne einer möglichst schnellen und gründlichen Lösung der Probleme wirkt. Wenn die Analyse eines Problems aufgrund ideologisch eingefärbter Brille bereits vollkommen an der Sache vorbei geht (Wobei nicht sein kann, was nach eigener Vorstellung nicht sein darf), dann kann bei einer Lösung auch nur wieder Murks, Stückwerk dabei heraus kommen. Der Autor hier war ohnehin in der Vorbereitung eines Blogeintrags für den Appell einer möglichst parteiübergreifenden Wirtschaftspolitik, mehr gestützt auf wirklich Expertise führender Ökonomen und weniger auf Wunschvorstellungen von Nichtfachleuten die am Ende dann, wenn es ganz schlecht läuft, zu katastrophalen Ergebnissen führt, wie diese jetzt im Jahre 10 nach der Einführung des Euro Bargelds uns allen in Europa und damit insbesondere den Ländern, der auch von Herrn Schmidt beschriebenen, Peripherie drohen.
Es ist wichtig zu begreifen, daß wir nur deshalb am Abgrund stehen, weil politische Wunschvorstellungen und nationale Kurzsichtigkeiten Ihrer demokratisch legimierten "Steuerungszunft" Entscheidungen getroffen haben, die nicht ganz auf "Eventualfälle" vorbereitet waren, die aber erkannt hätten werden müssen, denn schließlich ging und geht es in der Weltwirtsschaft nicht immer nur nach oben, sondern können Rezessionen lokal und global immer wieder einmal auftauchen.
Nun aber zum eigentlichen Grund meines offenen Briefes an Sie, aber eben auch an jeden anderen deutschen wie auch europäischen Entscheidungsträger (eine englische Version wird später verfügbar gemacht werden) ist der, daß der Autor anläßlich eines Angriffs ihrerseits auf die dt. Bundeskanzlerin in Sachen Griechenland den Eindruck bestärkte, daß Sie und andere politische Schlüsselfiguren weder den Ernst der Lage richtig erkannt haben, noch geneigt sind von Dingen Abstand zu nehmen die wie gesagt von einer falschen Analyse geradewegs zu falschen Lösungsansätzen führt. Und wiederum, weil Sie den Autor nicht kennen können, sei vorab geschickt, daß der Autor nichts mit der Partei der Kanzlerin zu tun hat, diese mit nüchteren Attributen als mit dem Kosewort "Mutti" in seinen politischen Analysen belegt hat, und auch weder in Deutschland wählen darf, noch überhaupt Staatsbürger oder Einwohner ihres Landes ist.
Es geht also im konkreten Fall um Griechenland, was derzeit tatsächlich vor historisch zu nennenden Entscheidungen steht, die einen Abglitt des Landes aus dem Euroraum, aber damit unweigerlich verbunden auch einen endgültigen Bankrott, eben der Unmöglichkeit der Bedienung seiner in Euro Valuta nominerten Schulden nach einer zu erwartenden drastischen Abwertung der dann gültigen Landeswährung Drachme, zu erwarten ist. Diese herbeigeführte Situation ist also solche dramatisch genug, und es geziehmt sich sicherlich nicht auf dieser Tragödie weiterhin, wie im nationalen Politbetrieb üblich(Zyniker mögen von einem Zirkus sprechen) daraus geringfügige, kurzfristige, taktische Vorteile zu ziehen, indem man der Kanzlerin vorwirft, Ihrerseits für das Hängen am Schuldenabgrund Griechenlands "verantwortlich" zu sein.
Ohne den Eingriff , die Solidarität der europäischen Staaten und ihrer Staatshaushalte wäre Griechenland bereits genau dort angekommen, was jetzt ggf. bevor steht und Frau Merkel , Ihre Unionsfraktion und die Ihrige Fraktion, Herr Gabriel, haben den "Rettungskurs" im Bundestag mitgetragen. Es ist niemand anderer als für die katastrophe Lage der Staatsfinanzen in Griechenland verantwortlich als die dortigen Politiker, die nicht nur über Jahre, Jahrzehnte das Land abgewirtschaftet haben und im Grunde nur kreditfinanziert über Wasser gehalten haben, dabei durch Schwindel oder gar Betrug mit verfälschten Zahlenwerken sich Eintritt in den Euroraum verschafft haben, und seit dem Eintreffen der sog. Troika dort und den sich aus deren Bestandsaufnahmen ergebenden Analysen wo es "hakt" und wo Abhilfe geschaffen werde müßte, um weitere Hilfsgelder zu ermöglichen, bislang nur widerwillig bis blockierend reagiert wurde. Von griechischer Seite wohlgemerkt. Und auch wenn es richtig ist, daß ein anderer Ansatz in Richtung Wirtsschaftsförderung dort besser gewesen wäre, so bleibt dieser doch angesichts ungesicherten Steuersystems, weit verbreiteter Korruption, bis hin zu grundlegenden Dingen wie fehlenden, bzw. ungeklärten Grundbesitzverhältnissen aufgrund mangelhafter oder gänzlich fehlender Grundbücher, doch nur rein hypothetischer Natur. Es seinen hier nur die ganz grundlegenden Dinge eines modernen, funktionierenden europäischen Rechtsstaats angesprochen, welche jegliche Investitionstätigkeit zu reinem Glücksrittertum hätten verkommen lassen. Die anderen, weithin bekannten Mißstände dort mal ganz außen vor gelassen. Man hat einiges dort versucht in den letzten 2 Jahren zum besseren zu bewegen, und wie gesagt nicht nur im Bereich des Abbaus der Staatsverschuldung oder dem großen PSI, dem "Haarschnit" wie man so schön umgangssprachlich sagt, sondern eben auch in Hinsicht der Beseitung von Investionshemmnissen. Einige, wenn nicht gar alle positiven , wie negativen Schritte in Griechenland wurden hier im faktischen Teil des Blogs protokolliert.
Die jetzige Neigung der Bevölkerung zur Radikalisierung in deren Ergebnis Parteien jetzt über ausreichend Stimmen verfügen, um auch im dortigen Parlament jetzt ihr Unwesen zu treiben und den endgültigen Untergang des Landes besiegeln können. Aufgrund völlig unrealistischer Forderungen an den Rest der europ. Währungsgemeinschaft, die aber auch im Vorfeld als Wahlprogramm bekannt waren, ist es aber doch vor allem eine Protestwahl gegen die bisherigen Parteien, man ist geneigt zu sagen: Machthaber, welche im Wechsel das Land regiert haben und dabei ihre Pfründe eifrig verteilt haben. Das Endergebnis nach, was denn 20,30 oder 40 Jahren sieht man jetzt, und dieses ist keineswegs Schuld der jetzigen Kanzlerin der BRD, der Eurozone oder sonst irgendeiner ausländischen Entität, sondern der griechischen Poltik und den dort handelnde Personen. Ja es ist bedauerlich, daß dort einigermaßen noch verantwortliche Parteien abgestraft wurden und nun "destruktive Kräfte" in den Sattel gehoben wurden, aber ist es nicht die Destruktion jener etablierten, eingesessenen Kräfte dort, die zu einem solchen Kurzschluß, so einer Denkzettelwahl geführt haben ? Wie weiter oben bereits beschrieben haben es auch jene Kräfte nicht vermocht die Grundlagen für irgendeine weitergehende Hilfe zu schaffen die den Betrieben dort geholfen hätte wenigstens zu überleben. Geschweige denn zu wachsen und mehr Beschätigung zu schaffen. Versuche dazu hat es gegeben und wenn Sie bzw. Ihre Mitarbeiter die ganzen Beiträge hier vom Autor lesen würden, könnten Sie erkennen, daß es ihm einzig um den Erhalt der Wirtschaftsleistung , nebst der Währungsstabilität geht und auch für Griechenland einiges konkret bemängelt hat. Bloß was will man tun, ein europäisches Protektorat dort etablieren ? Ebenso kritisiert wie übrigens neulich auch die Forderung Deutschlands nach "Austerität" für andere, während für Ihr Land konkrete Beispiele aufgeführt wurden, wonach in Frau Merkel bzw. Ihr Land als ganzes in der letzten Krise, sowie eben auch generell weit mehr "Keynesianismus" bewiesen haben, als sie es sich selbst zugestehen wollen. Also unkritisch zu sein gegenüber dem Handeln der Bundesregierung kann man diesen Analysen nicht zum Vorwurf machen.
Ich appeliere allerdings an Sie und jeden verantwortlichen Politiker in Europa von "alten Gepflogenheiten" Abstand zu nehmen und auch zu sehen, daß Ihrer aller Neigung mit dem Finger auf andere zu zeigen und geneigt sind wirtschafts- wie finanzpolitisch jeweils das genaue Gegenteil zu tun , von dem was die "anderen" propagieren oder machen, um dadurch eigenes Profil zu haben, im Wesentlich dazu beigetragen haben dorthin zu kommen wo wir jetzt sind. Griechenland am Abgrund, Finanzmarktunruhen wechselnd von Italien, über Portugal, Spanien und zurück, je nach Nachrichtenlage. Einzig Irland scheint auf einem richtigen Weg. Und wenn Sie und andere politische Entscheidungsträger sich vielleicht wieder darauf beschränken das richtige, statt das zu tun was "ankommt" , also mit dem Finger auf andere zu zeigen und dabei gleichzeitig von eigenen Versäumnissen abzulenken bzw. diese möglichst klein zu reden, bzw. bestrebt sind diese aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen, dann könnte das europäische Projekt vielleicht doch noch was werden. Wenn Sie und all Ihre Kollegen allerdings so weiter machen mit dem auf Kurzfristigkeit ausgelegten Kurs, dann wird das leider insgesamt den Bach runter gehen. Es wäre angesichts einer drohenden Finanzkatastrophe nicht nur beschränkt auf den europ. Kontinent, sondern weltweit wegen der bisher schon existierenden Verflechtungen der zur Ersatzwährung gewordenen Euro-Währung, vielleicht auch mal der geeignete Zeitpunkt darüber nachzudenken, daß man als politische Parteien sich zurücknimmt und nicht mehr gestalterischen Einfluß auf die Wirtschaft zu nehmen, als Zentralbank(en) und die jeden Staat tragende Wirtschaft verkraften können. Also eine Art "Konsens der wirtschaftlichen Vernunft" herrscht und sich Parteien dann auf weitergehende innenpolitische , sich unterscheidene gesellschaftliche Angebote konzentriert und natürlich auch auf außenpolitisch jeweils andere Prioritäten. Wobei auch dort eine gewisse Kontinuität geboten ist (wie auch Herr Steinmeier erkennt) aber eben auch weiteren Raum für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen sich ergibt, der in der Vergangenheit auch nicht immer als Priorität Nr. 1 betrachtet wurde.
Es wird von dieser Seite als grundsätzlich notwendig erachtet angesichts massiver, historisch zu nennender Probleme sich nicht weiterhin innenpolitisch zu bekämpfen , sondern auch in der Oppsitionsrolle alles dafür zu tun, daß es auf europäischer Ebene weiter geht. Dies könnte z.B. auch beinhalten Kollegen der sozialistischen Internationale wie den Herrn Venizelos aus Griechenland zu "beraten" und sich eben angesichts der herrschenden Notlage wenigstens alle verantwortlichen politischen Kräfte überlegen sollten, möglichst konstruktiv an einer Gesamtlösung zu arbeiten. Ansonsten drohen die Visionen des Herrn Bundeskanzlers a.D. Helmut Schmidt vor dem Scheitern zu stehen, und ein weiteres Mal nach dem Bosnien Debakel, wird Europa in den Augen der USA, aber auch der mittlerweilen erstarkten anderen Weltmächte als Lachnummer da stehen. Die geopolitische Analysekraft des Herrn Schmidt wird gerade kontakarriert durch die Egozentrie europäischer Politiker verhaftet in der jeweiligen nationalen Tagespolitik und im Strudel der ständigen Euro-Rettungsbemühungen. Dabei gehen andere wichtige Ereignisse wie der Umbruch im arabischen Raum weitgehend unter, wie auch wichtige mögliche Schlüsselpositionen Europas u.a in Afrika im Augenblick an z.B. China verloren werden, ohne daß dies von den politischen Eliten Europas überhaupt nur detektiert wird. Es ist auch kaum von einen sehr angeschlagenen, notleidenden Patienten im Krankenhaus zu erwarten, viel weiter zu denken, als eine seine unmitelbare Genesung und Entlassung aus dem Krankenhaus. Er wird kaum geneigt sein die Geschicke seiner Firma vom Krankenbett aus zu verfolgen und auch wenigstens telefonisch zu leiten. Was damit gesagt werden soll, ist eine Bedrohung der Aufbauleistung bisheriger europäischer Generationen steht ebenso auf dem Spiel, wie die an sich sehr zutreffenden Aussichten von Herrn Schmidt für unseren Kontinent, der aber eben nicht nur seine eigene Schwäche überwinden muß, sondern eben auch vor allen eben durch Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen zu anderen, nicht-europäischen Staaten seine drohende Insellage global gesehen durchbrechen muß, um nicht alsbald nur noch von der bisher erreichten Substanz zu leben oder auf lange Sicht darben zu müssen.
Dabei wäre es sicherlich auch nicht verkehrt, die europäische Geschichte den Bürgern, aber auch verantwortlicheren Leuten, wie Politikern oder auch Journalisten ins Bewußtsein zu bringen. Denn nur so kann man sehen , welche Aufbauleistung seit den Trümmern des II. Weltkriegs geleistet wurden, aber auch welche politischen, nationalen Gegensätze, ja Feindschaften überwunden wurden. Nicht, um in ewiger Dankbarkeit zu erstarren oder zu verharren, sondern sich dessen bewußt zu sein, was man zu seinem Teil dabei ist mit der Abrißbirne nieder zu reissen. Gerade gestern, wurde der Autor Augenzeuge eines für ihn bizarr anmutenden Dialoges oder besser Austauschs von Vorwürfen zwischen einem Journalisten und eines EU Administrationsmitarbeiters, die sich beide jeweils Vorwürfe an den Kopf warfen, die aber beiderseits völlig an den Realititäten vorbei gingen und nur auf Mutmaßungen aufgrund völliger Faktenunkenntnis beruhten. Der Autor hier war gleichermaßen belustigt wie entsetzt darüber. Wo wir wieder bei der Wichtigkeit richtiger, vor allem durch Fakten gestützer Analyse sind als Basis für jede Sachentscheidung, welche dazu dienen soll die Mißstände wirklich an der Wurzel zu packen und dahingehend zu ändern, daß dieser neuer Zustand auch langfristig stabil ist. Wenn es nicht gelingt faktenbasiert, richtige, pragmatische und nicht ideologisch geprägte Entscheidungen zu treffen, wird sich Europa ein weiteres Armutszeugnis wie seinerzeit mit dem Kulturzerfall und dem Rückfall in die Barbarei in Bosnien ausstellen, und wieder auf die Hilfe, des großen, ungeliebten, aber gleichzeitig bewunderten Bruders, der USA eben, angewiesen sein. Die USA welche auch bei dem drohenden Kollaps der Eurowährung Ende letzten Jahres wieder für viele Bürger Europas, aber auch sicher für viele europäiche Politiker unsichtbar wieder Gewehr bei Fuß gestanden haben um notfalls mit Hilfe ihrer FED Europa ein weiteres Mal in seiner Geschichte vor einer Urkatastrophe zu bewahren.
Das Bewußtsein zu schärfen, daß die Politiker als gewählte Entscheidungsträger europäischer Länder verantwortlich waren für die mittlerweile als fehlerhaft erkannte Konstruktion des Euro, aber auch andererseits das Ihrige dazu beitragen können diese Fehler zu erkennen und entsprechende Lösungen dafür zu finden und zu implementieren. Sie denken richtigerweise auch an die politischen Konsequenzen, welche sich z.B. durch eine Erstarkung politischer Extremisten in jenen Ländern mit sowohl wirtschaftlichen Niedergang wie auch dem vorherigen Versagen der bis dato herrschenden Poltiker ergeben. Da besteht natürlich ein Zusammenhang, und gilt es diese Situationen zu vermeiden, eben nicht nur aus ökonomischen Gründen, sondern eben auch aus politischen. Aber wie gesagt, man sollte dabei möglichst an der Sache orientiert sein, und wirklich parteiübergreifend als "besorgte Nachbarn" sich an der wirklichen Lösung der Probleme beteiligen und diese nicht nur als Steilvorlage für innenpolitischen Streit gebrauchen. Und aus Gründen systemischer Stabilität ist es nicht nur an der Zeit Funktion und Aufgaben des Bankensektors einer kritischen Prüfung zu unterziehen und ggf. dort vorherrschende Regulierungsmißstände zu beseitigen, sondern eben auch eine ähnlich gelagerte kritische Analyse des Scheiterns politischer Steuerung zu unternehmen, um ein sofortiges Scheitern wie auch zukünftige Katastrophen im Euroraum zu verhindern. Ein "mehr Europa" kann nicht bedeuten politische Entscheidungen noch im Endeffekt destruktiver für die europäische Wirtschaft und die Bürger werden zu lassen, sondern kann wie gesagt nur bedeuten die eigenen politischen Ambitionen einem funktionierenden Geld- und Wirtschaftssystem unter zu ordnen. Was letzten Endes passiert, wenn dies nicht beherzigt wird, sieht man ja grad in Griechenland und das dreht jedem aufrechten Demokraten den Magen um.
Der von vielen europäischen Parteien seit kurzem eingeschlagene Weg des besseren Austauschs der führenden politischen Kräfte innerhalb des Fraktionsverbunds z.B. entlang der Linien, wie diese im europäischen Parlament absteckt wurden, scheint dabei ein ebenso geeignetes Mittel zu sein, wie eben auch vor allem die wesentlich stärkere Einbeziehung von Wirtschaftswissenschaftlern als fachliche Kompetenz zur Lösung akuter wirtschaftlicher Probleme, die ebenso vielfältig wie zukunftsentscheidend sind. wobei auch hier die Einbeziehung von "Kritikern" dahingehend hilfreich sein kann, weil diese eben eher zu zielführenderen Analysen kommen, als jene die mehr auf vorauseilenden Gehorsam oder Gruppenzwänge setzen.
Länderübergreifender Austausch ist auch da angezeigt, weil der Euroraum eben in der Vergangenheit viel zu sehr an "nationalen Blindflügen" krankte und sich auch die Partnerländer sehendes Auges, aber dennoch Untätigkeit in eine gemeinsame Kollektivhaftungssituation gebracht haben, die weder vertraglich noch gedanklich überhaupt vorgesehen war.
Ein Umdenkprozess der politischen Klasse ist auch dahingehend notwendig, da ansonsten die Systemgefährdung wie in Griechenland neulich demonstriert, aber auch bereits durch den Zusammenbruch des RGW eindrucksvoll vor Augen geführt, daher rührt, daß es einfach zu viele "Unproduktivkräfte" oder Verwaltungsorgane im Verhältnis zu Werktätigen stehen und die Wertschöpfung letzterer durch erstere quasi neutralisiert wird. In Kürze wird ein entspreche Behandlung dieses Themas entwickelt aus Thesen von Herrn Professor Stiglitz hier online gestellt werden, aber nur schon mal eben vorab der Hinweis, daß auf Dauer europäische Staaten nicht durch Schuldenaufnahme sondern durch Wertschöpfung einerseits und entsprechend geschaffene Konsumnachfrage andererseits bestehen können. Und obwohl Herr Hollande und andere richtigerweise auf die Ergänzung des Fiskalpakts bestehen, kann ein erneutes Beschreiten blinder Ausgabenpolitik, quasi mit der Gießkanne Gelder zu verteilen nur eine Wiederholung von Fehlern aus der Vergangenheit bedeuten. Wenden Sie sich bitte an Wirtschaftsexperten und begeben Sie sich bitte auch dort auf die Suche nach Alternativen dazu, die ggf. auch schon mal gar nichts an zusätzlichen Staatsausgaben kosten, ihren Zweck dennoch erfüllen können, aber den "Nachteil" hätten, daraus kein politisches Kapital schlagen zu können. Machen Sie und andere Entscheidungsträger bitte das richtige und nicht das opportun erscheinende, was vielleicht kurzfristigen eigenen Erfolg verspricht. Denken Sie bitte an die o.g. historischen Stärken des Altkanzlers Helmut Schmidt und eben auch an sein Vermächtnis an uns alle Europäer, aber auch insbesondere an Sie bei der SPD, welche in seine Fußstapfen treten wollen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
16:30 Nachtrag
Herr Gabriel hat über Twitter folgenden Gastbeitrag von Herrn Eppler verbreitet: „Zornausbruch einer Marktradikalen“
Die gleiche Zurückhaltung wünscht man sich als europäischer Bürger auch natürlich von Regierungsparteien und auch Journalisten, die nicht in einen "verbalen Kleinkrieg" , gespickt mit viel Polemik eintauchen sollten, sondern allesamt ihren persönlichen Beitrag zum Erfolg unser aller Währung, wie auch Wirtschaft leisten sollten. Wenn die Sache wirklich schiefgehen sollte, sind wir alle ohne Ausnahme davon betroffen ! Wir sollten Kritik in der Sache üben, uns aber vor "Hexenverbrennungen" hüten.
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